Obst ist homosexuell

Ein Dokument der Überwachung und Diskriminierung

Dieses unscheinbare Blatt Papier stammt aus den Akten der Staatsanwaltschaft des DDR-Bezirks Erfurt. Es trägt das Datum 21. Februar 1989, wenige Monate vor dem Fall der Berliner Mauer. Der kurze Satz „Obst ist homosexuell“ wurde maschinell eingetippt – scheinbar eine belanglose Feststellung. Doch im Kontext der DDR-Staatssicherheit war dies oft der Beginn massiver Überwachung, Ausgrenzung oder Erpressung.

In der DDR war Homosexualität zwar seit 1968 nicht mehr strafbar, doch blieb sie gesellschaftlich und politisch stigmatisiert. Die Stasi beobachtete homosexuelle Bürger häufig, kategorisierte sie als potenziell „abweichend“ oder „erpressbar“ und nutzte diese Informationen, um Menschen zu kontrollieren oder zu instrumentalisieren.

Das hier gezeigte Dokument steht exemplarisch für die alltägliche Praxis der Diskriminierung von Schwulen und Lesben in einem autoritären Überwachungsstaat – nüchtern, bürokratisch, menschenverachtend. Es erinnert daran, dass Freiheit und Akzeptanz keine Selbstverständlichkeiten sind, sondern hart erkämpft werden müssen.


Die Geschichte des 18-jährigen Mario

Als er einen Fluchtplan in die Bundesrepublik Deutschland schmiedet, wird die Stasi auf ihn aufmerksam. Noch bevor er fliehen kann, wird er am Valentinstag, den 14. Februar 1989, verhaftet und ins berüchtigte Gefängnis der Andreasstraße in Erfurt gebracht, wo seine Hoffnungen auf Freiheit auf eine harte Probe gestellt werden.